Uniwagnis

Uniwagnis (auch UNIWAGNIS oder Wagnisauskunft) ist eine gemeinsame Warn- und Hinweisdatenbank der im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) organisierten Versicherungsunternehmen. Seit dem 1. April 2011 wird der Nachfolger von Uniwagnis, das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (HIS) (HIS) von der informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH, einem Unternehmen der Arvato Infoscore betrieben. Diese wiederum gehört über die Arvato AG zur Bertelsmann AG.

Überwachung

Einträge in der Uniwagnis

Es werden Daten der Versicherungsnehmer und von Geschädigten, versicherten Personen und anderen, zum Beispiel Zeugen, sowie Fahrzeugen, Gebäuden und anderen Objekten[3] gespeichert. Die Datei dient nach Aussage des GDV der Aufdeckung von Versicherungsbetrug und -missbrauch.

Die Einträge erfolgen in sieben Kategorien:

  • Kfz
  • Unfall
  • Rechtsschutz
  • Sach
  • Leben (Wagnisstellen: Sonderwagnis, Berufsunfähigkeit, Pflegerente)
  • Transport (inkl. Reiserücktritt, Reisegepäck)
  • Haftpflicht

Derzeit (Stand April 2011) sind laut dem Betreiber IIRFP über alle Versicherungszweige hinweg fünf Millionen Datensätze gespeichert. Die Verbraucherzentrale geht von neun Millionen Eintragungen aus, vier Millionen Personen und fünf Millionen Fahrzeugen. Einträge über Private Krankenversicherungen werden nicht gespeichert, hier besteht das System der Versichertenumfrage.

Entsprechend dem BDSG kann jedermann jährlich eine unentgeltliche Auskunft über die über ihn gespeicherten Daten anfordern.

Neue Daten

Datensätze werden in Verdachtsfällen oder zum Beispiel bei Lebensversicherungen präventiv angelegt. Hier ist also demjenigen, der über die Aufnahme eines Falles entscheidet, eine hohe Verantwortung übertragen. Die Risiken werden nach einem Punktesystem gemeldet. Punkte gibt es zum Beispiel, wenn jemand mehrfach in einem Jahr seine Rechtsschutzversicherung in Anspruch nimmt oder wenn jemand Beteiligter, aber auch etwa Zeuge in einem Verkehrsunfall ist, bei dem der Verdacht besteht, der Unfall sei fingiert worden. Überschreiten die mit Punkten bewerteten Verdachtsmomente im Hinblick auf möglichen Versicherungsbetrug oder -missbrauch eines gemeldeten Versicherungsfalls einen bestimmten Schwellenwert (der für die Versicherungssparte spezifisch ist), so erfolgt ein Eintrag in der Uniwagnis-Datei. Dieser Eintrag erfolgt in kodierter Form, so dass nicht vom Uniwagnis-Eintrag auf eine konkrete Person zurückgeschlossen werden kann.

Folgende Sachverhalte werden an das HIS gemeldet:

  • atypische Schadenhäufigkeiten,
  • besondere Schadenfolgen,
  • erschwerte Risiken,
  • Auffälligkeiten im Schaden-/Leistungsfall,
  • abgeschlossene Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Unter „atypische Schadenhäufigkeiten“ ist eine außergewöhnliche Schadenhäufung in einem bestimmten Zeitraum zu verstehen. Die Parameter sind in den verschiedenen Versicherungssparten unterschiedlich gewichtet. Bei Rechtsschutzversicherungen geht man zum Beispiel davon aus, dass vier und mehr Versicherungsfälle innerhalb eines Zeitraums von zwölf Kalendermonaten außergewöhnlich sind. Unter „besondere Schadenfolgen“ werden, sofern eine gewisse Schadenhöhe überschritten ist, zum Beispiel Fahrzeugschäden gemeldet, die fiktiv auf Basis eines Gutachtens oder eines Kostenvoranschlags abgerechnet werden. Gemeldet werden auch die Personen, die an einem Schadensfall beteiligt sind, sofern „Auffälligkeiten zum Schadenhergang“, -bild oder -umfang an das HIS gemeldet werden. Über die Meldung entscheidet der jeweilige Sachbearbeiter anhand von Kriterien, die unterschiedlich gewichtete betrugsgeneigte Auffälligkeiten definieren. Sie sind nach Auskunft des GDV in den meisten Punkten von der Rechtsprechung als taugliche Hinweiskriterien bestätigt worden. Dadurch soll bandenmäßigem Betrug sogenannter „Autobumser-Banden“ vorgebeugt werden.

Unter „erschwerten Risiken“ sind gefahrenträchtige Berufe wie Gerüstbauer und Sprengstoffexperte oder risikoerhebliche Vorerkrankungen zu verstehen. Personen mit diesen Merkmalen werden an das HIS gemeldet, wobei die Vorerkrankung bzw. der betreffende Beruf selbst nicht gemeldet werden. Im HIS werden Lebensversicherungssummen über 100.000 Euro und Berufsunfähigkeitsrenten über 9.000 Euro pro Jahr verdachtsunabhängig präventiv erfasst. Ziel ist, sogenannte Überversicherung zu erkennen und zu vermeiden. Von Überversicherung spricht man, wenn für den Kunden aufgrund der Höhe der vereinbarten Rente ein verringertes Interesse besteht, den Versicherungsfall durch Vorsicht und Prävention zu vermeiden.Einmal erfasste Datensätze werden nach fünf Jahren gelöscht. Die Speicherfrist verlängert sich, wenn vor Ablauf der Frist eine neue Meldung eingeht.

Bild: Bernd Kasper / pixelio.de

Anmerkung:
Dieser Artikel basiert aus dem Artikel Uniwagnis
aus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia
und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation
und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.