Rückblick Motorrad

Das Motorrad (amtliche Bezeichnung in Deutschland: Kraftrad; Kurzform im militärischen Umfeld: Krad; historische Bezeichnung: Motorfahrrad; in der schweizerdeutschen Umgangssprache: Töff) ist ein einspuriges Kraftfahrzeug, üblicherweise mit einem bis zwei Sitzen. Am 1. Januar 2013 waren in Deutschland insgesamt 3,98 Millionen Krafträder zugelassen (in der Schweiz per 30. September 2009: 642.777 Motorräder).

Motorrad

Die ersten Vorläufer des Motorrads waren die in Frankreich und den USA hergestellten Dampfräder. Das Michaux-Perreaux Dampfrad von 1869 ist erhalten. Gottlieb Daimler baute 1885 in den „Reitwagen“ als Versuchsträger einen Benzinmotor ein, dieser war aber wegen der seitlichen Stützräder kein Motorrad im engeren Sinn. Erstes Serien-Benzinmotorrad war die Hildebrand & Wolfmüller von 1894. Dieser Hersteller verwendete erstmals den Begriff „Motorrad“ und ließ ihn patentrechtlich schützen. Indian in den USA war das erste Unternehmen, das Motorräder in industriellem Maßstab herstellte.

Mit den technischen Verbesserungen:

  • Spritzdüsenvergaser (Patent von Wilhelm Maybach, 1893) und der
  • Magnetzündung (Patent von Robert Bosch 1901)

wurde das Motorrad wesentlich einfacher benutzbar.

Wesentliche Entwicklungen gingen aus von:

  • Frankreich – durch den Motoreinbau im Rahmen durch die Gebrüder Werner seit 1899,
  • Belgien – durch das Vierzylindermotorrad und die Kardanwelle der Firma FN seit 1904,
  • England – durch den Kickstarter, Bremse sowie Zweitaktmotor von Scott seit 1908,
  • USA – durch den elektrischen Anlasser und die elektrische Beleuchtung von Indian
  • Italien – durch den Doppelkolbenmotor von Adalberto Garelli im Jahr 1911 und die Verwendung einer Art selbsttragender Karosserie (Beteiligung der Verkleidungs- und Bodenbleche an der Tragfunktion des Fahrgestells) beim Lambretta Motorroller 1945
  • seit 1914
  • Deutschland (NSU, BMW, DKW).

Weltkriege

Bis zum Ersten Weltkrieg war Indian die weltweit größte Motorradfabrik. Danach wurde dieser Titel an Harley-Davidson weitergegeben, ab 1928 an DKW und nach dem Zweiten Weltkrieg an NSU. Seit dem Anfang der 1970er Jahre bis heute (Stand 2007) ist Honda, Japan, der weltgrößte Motorradproduzent. Honda konstruierte auch mit dem Kleinmotorrad Honda Super Cub das weltweit erfolgreichste Kraftfahrzeug, das seit den 1950er Jahren bis heute in vielen Fertigungsstätten und Lizenzbetrieben in weit mehr als 40 Millionen Exemplaren gebaut wurde. Honda stellte 1969 mit der CB750 Four ein richtungsweisendes Motorrad mit einem quer eingebauten Vierzylinder-Viertaktmotor vor, nachdem Gilera in den 1930er Jahren dieses Konzept in einer Rennmaschine sehr erfolgreich eingeführt hatte. Auch MV Agusta stellte seit 1966 Motorräder dieser Bauweise her, blieb jedoch ein Kleinserienanbieter auf hohem Preisniveau.

Als mächtigste in Serie gefertigte Motorräder gelten die US-amerikanischen Boss-Hoss-Modelle mit V8-Automotoren, über 5 Litern Hubraum und mehr als 225 kW Leistung. Als längstes Motorrad gilt die dreisitzige Böhmerland. In den 1920er-Jahren wurde der Gazda-Lenker für Motorräder hergestellt, um den Einfluss von Fahrbahnunebenheiten von den Händen des Fahrers fernzuhalten.

Die Verbreitung

Die Verbreitung des Motorrades war vor allem in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg außerordentlich hoch. Mit dem Kleinkraftrad, nicht dem Automobil, motorisierten sich die in ihren Konsummöglichkeiten beschränkten, aber technikbegeisterten jüngeren Deutschen seit den Zwanziger Jahren. Für Kleinkrafträder wurde ab 1922 keine Kfz-Steuer mehr erhoben, seit 1923 war ein Führerschein nicht mehr erforderlich. In den 1930er Jahren fuhr etwa die Hälfte aller Motorräder der Welt in Deutschland. Von 1926 bis 1960 (BRD) beziehungsweise 1989 (DDR) gab es in Deutschland mehr Motorräder als Autos. In dieser Bevorzugung unterschieden sich die deutschen Verhältnisse deutlich von denen in den USA und den westeuropäischen Nachbarländern. Nach dem Sinken der Verkaufszahlen von Motorrädern als Folge der steigenden Popularität des Automobils Ende der 1950er Jahre wurde Motorradfahren in den 1970ern als Freizeittrend wiederentdeckt.

 

Bild: Rike  / pixelio.de

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